Der Rheinisch-Bergische Naturschutzverein (RBN) ist 50 Jahre alt geworden. Zur Feier im vereinseigenen Naturschutzzentrum zwischen Immekeppel und Untereschbach im Sülztal, erbaut als Volksschule durch die frühere Stadt Bensberg, waren Umwelt- und Naturschutzminister Oliver Krischer und Elke Reichert, die Präsidentin des Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Klima (Lanuk), früher Dezernentin in der Kreisverwaltung des Rheinisch-Bergischen Kreises, neben zahlreichen Repräsentanten aus Politik und Verwaltung erschienen.

Minister Krischer würdigte in seinem Festvortrag den hohen Stellenwert des ehrenamtlichen Naturschutzes, wie er vorbildlich und richtungweisend seit Gründung des Vereins im RBN betrieben worden sei. „Dieser Verein hat Akzente gesetzt, er hat Initiativen ergriffen und Vorstellungen entwickelt, wie sie später in den Naturschutz generell Eingang gefunden haben – auf diesem Wege sollten Sie fortfahren!“ ermunterte Minister Krischer den gegenwärtig amtierenden RBN-Vorstand, der über 700 Mitglieder vertritt.

Vereinsvorsitzender Mark vom Hofe (Bergisch Gladbach) ging in seinem Vortrag auf die fünf Jahrzehnte mit Bildern und Dokumenten aus den Anfangsjahren ein – um anzumerken, dass er nicht zu den Gründungsmitgliedern zählte, sondern erst etwa fünf Jahre später zum Verein stieß, weil er Dieter Menninger kennen und schätzen gelernt hatte: „Dieter Menninger war ein Visionär, ein ständiger Ideenlieferant, ein Mann mit einem ausgeklügelten Plan. Er hat dem RBN Fundamente geschaffen, auf denen der Verein heute noch steht und in der Lage ist, immer wieder Neues zu entdecken und versuchen weiterzuentwickeln.“

Dieter Menninger war bei den 12 Menschen, die am 9. April 1975 im Hotel Lüdenbach in Overath-Klef den Rheinisch-Bergischen Naturschutzverein (RBN) aus der Taufe gehoben haben. „Baumfrevel“ an den Kastanien rund um die Overather Kirche St. Walburga hatten Bürgerinnen und Bürger so in Wallung gebracht, dass sie beschlossen, sich künftig gegen landschaftszerstörende Maßnahmen wie übermäßigen Straßenbau, Gewerbesiedlungen und ausufernde Freizeiteinrichtungen frühzeitig zu wehren und den Protest direkt in Planungsvorhaben einzubringen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Josef Meeger aus Overath gewählt, Dieter Menninger war sein Stellvertreter. Mit dabei Renate Meisenburg, die später für die CDU im Gemeinderat saß, Peter Wester und Hermann-Josef Bloch.

Der Verein machte es sich direkt zur Aufgabe, in die Öffentlichkeit zu gehen und auf seine Ziele und Vorstellungen bei Infoveranstaltungen und bei Infoständen aufmerksam zu machen. Rasant stieg die Mitgliederzahl an, ein Lieferwagen, in den Farben grün-weiß lackiert, warb für den Verein ebenso wie eine bald gegründete Mitgliederzeitschrift unter dem Namen „Der Ausweg“.

Das erste große Thema, mit dem der Verein bundesweit Aufmerksamkeit erregte, war der Protest gegen die vom südlichen Ruhrgebiet durch das Niederbergische an Solingen, Leverkusen, dem östlichen Bergisch Gladbach, Immekeppel/Heiligenhaus vorbei geplante A 31, die bei Siegburg/Hennef  auf die A 3 stoßen und Entlastung für diese Nord-Süd-.Verbindung schaffen sollte – was etlichen Bürgerinitiativen am Trassenverlauf gar nicht gefiel. Sie wurden Mitglied im RBN, gründeten RBN-Ortsverbände, sammelten Unterschriften: 23 000 wurden es, ohne Fax, Internet, Social Media – „eine unglaubliche Leistung Ende der 1970er Jahre“, wie Minister Krischer anerkennend feststellte.

Die A 31 wurde nicht gebaut. Josef Meeger erlebte diesen Erfolg nicht mehr; er starb überraschend, Dieter Menninger trat, Fernsehredakteur und Filmemacher beim damaligen Südwestrundfunk in Baden-Baden, seine Nachfolge an.

Es war Dieter Menninger, der die Ideen für die Zukunft entwickelte: Der Verein gründete ein Wasserlabor, um bergische Bäche und Gewässer auf Schadstoffe untersuchen zu können. Aus dem Wasserlabor entstand die Biologische Station, die erste in Nordrhein-Westfalen, die mit einem Auftrag der Landesregierung ausgestattet wurde, ein typisches Mittelgebirgsbachtal auf seine ökologische Bedeutung, seine Qualität für Pflanzen und Tiere im Wasser und in den Uferbereichen, seine natürliche Dynamik und ihre Wasserqualität zu untersuchen – dieses erfolgte am Beispiel des Eifgenbachs im Stadtgebiet von Wermelskirchen. Mit dabei war Dr. Martin Sorg, heute Aushängeschild des Entomologischen Vereins Krefeld, der mit seinen über 25 Jahre währenden Untersuchungen feststellen musste, dass der Bestand der Insekten in dieser Zeit um 75 Prozent zurückgegangen ist.

Heute, das bekräftigte Minister Krischer, gibt es in ganz NRW 40 Biologische Stationen – „hier ist also Pionierarbeit für ein landesweites Erfolgsmodell gelegt worden!“

Dieter Menninger war es auch, der von der damaligen Gemeinde Overath erfuhr, dass die für das Sülztal gegründete Volksschule in Teilen leer stand und dem Verein, der bis dahin seine Geschäfte in privaten Räumen betrieb, eine Unterkunft bieten könnte- Zunächst als Mieter, später mit Mitteln des Landes NRW als Eigentümer. Das Land gab, so erinnerte Vorsitzender vom Hofe, gab 250 000 Mark – dank einer Erbschaft war der Verein in der Lage, das Geld für die notwendige Renovierung aufzubringen.

Seither ist das Gebäude das, in diesem Jahr durch eine Förderung der NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege eine erneute Renovierung erfahren hat, Treffpunkt der Vereinsmitglieder, Schauplatz von Info- und Diskussionsveranstaltungen, Workshops und Zentrum der Naturgarten-Mitglieder rund um das Gebäude mit Teich, Trockenmauer, Obstbäumen und Wildpflanzen. Ein Gründach ist in den 1990er Jahren aufgebracht worden.

Als Dieter Menninger aus gesundheitlichen Gründen den Vorsitz abgab, übernahm sein bisheriger Stellvertreter, Hermann-Josef Roth, Biologie-Lehrer an einem Kölner Gymnasium und Jesuitenpater.

In den Folgejahren wurde die Arbeit des Vereins geprägt durch Zivildienstleistende, die es ermöglichten, praktische Naturschutzarbeit durchzuführen: Hecken wurden gepflanzt,  Trockenmauern errichtet, Teiche und feuchte Mulden geschaffen, Streuobstwiesen angelegt – so zum Beispiel in Kürten-Bechen, wo der Verein über die Flurbereinigung eine 1,4 ha große Wiese zugeteilt bekam, die bis heute gepflegt wird und ihre 140 Bäume im Herbst Grundlage des traditionellen Apfelfests sind – frische Äpfel verschiedener Sorten, aus denen Apfelsaft gemacht wird.

Mit Mitteln wieder einmal der NRW-Stiftung Naturschutz gelang es dem Verein, ein früheres Steinbruchgelände bei Untereschbach zu erwerben, das eines der größten Gelbbauchunkenvorkommen des Landes beherbergt. Das Gelände ist heute Naturschutzgebiet und FFH-Gebiet, der höchste europäische Schutzcharakter. Nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt liegt das Volbachtal, das im vergangenen Jahrhundert vom Bergbau geprägt war: Dem Verein gehören in diesem Tal inzwischen ehemalige Fischteiche und Feuchtbereiche, auf denen die Attraktion des Vereins, die beiden Wasserbüffel Immo und Keppel, ihre Arbeit als Landschaftspfleger versehen.

Besonders aktiv im Verein sind die Mitglieder des Arbeitskreises Botanik, die sich meist dienstags treffen, die AG Naturgarten, die samstags aktiv sind rund um das RBN-Haus und eine Reihe von Ehrenamtlichen, die im Frühjahr helfen, an drei verschiedenen Stellen mehrere Wochen lang Kröten und Frösche über die Straßen zu tragen und ab September dabei sind, Äpfel zu pflücken.

Mark vom Hofe, der heutige Vorsitzende, folgte 1991 Hermann-Josef Roth nach, der Vorsitzender des Dachverbands LNU wurde, dem wie 100 andere Vereine auch der RBN angehört und so in die Lage versetzt wird, an Planungsvorhaben beteiligt werden zu müssen und im Zweifelsfall auch Klage führen zu können.

Für seine langjährige Arbeit bedankte sich  Vorstandsmitglied Thomas Stumpf beim Vereinsvorsitzenden und betonte, dass die Jubiläumsfeier des Vereins auch eine Würdigung des Vorsitzenden sei – er habe über drei Jahrzehnte den Verein geleitet, für Projekte immer wieder Fördergelder aufgetrieben und so den Verein auf solide Beine gestellt. Drei Flaschen Bio-Wein waren eine Dankeschön.

Mark vom Hofe

Der Vorsitzende der RBN – Mark vom Hofe – ehrt Hans-Heiner Heuser für sein über 40 jähriges Engagement im RBN Windeck